Leseprobe

Kapitallebensversicherung

Erklärung
Die Kapitallebensversicherung ist eine gemischte Lebensversicherung,
eine Versicherung sowohl auf den Erlebensfall (d. h. das Erreichen
des vertraglich festgelegten Endalters) als auch den Todesfall.
Leistungen werden fällig, wenn eines der beiden Ereignisse eintritt.
Da bei dieser Versicherung auch der Todesfall mit abgesichert
wird, werden zur Berechnung der notwendigen Beiträge individuelle
Besonderheiten wie Alter und Gesundheitszustand mit herangezogen.
Es können auch Zuschläge für bestimmte Berufsgruppen oder
gefährliche Sportarten erhoben werden. In der Regel werden diese
Verträge auch nur in bestimmten Altersgrenzen abgeschlossen. Für
Versicherungssummen gibt es Grenzen nach oben und unten.

Praxis
In den meisten Fällen wird eine solche Versicherung weniger zur
Deckung des Todesfallrisikos als zum Aufbau von Kapital abgeschlossen.
In der Vergangenheit erfreute sie sich großer Beliebtheit,
da es besondere steuerliche Vergünstigungen gab. Ebenso
waren die Renditeaussichten in der Vergangenheit recht lukrativ.
Durch veränderte Steuergesetze und die Senkung des Garantiezinses
hat sich dies jedoch geändert. Gerade dieser Garantiezins
ist ein wichtiges Kriterium beim Abschluss einer kapitalbildenden
Lebensversicherung.
Dieser Zins wird durch das Bundesministerium für Finanzen
festgelegt. Wie in der folgenden Tabelle ersichtlich, wurde der
Zins in den letzten Jahren regelmäßig nach unten korrigiert. Eine
Erhöhung ist in den nächsten Jahren sehr unwahrscheinlich. Versicherungen,
die ab dem 1. Januar 2015 abgeschlossen werden,
haben nur noch einen garantierten Zinssatz von 1,25 Prozent.
In der unten aufgeführten Tabelle können Sie die Veränderungen
der Garantiezinssätze in der Vergangenheit bis zum heutigen
Stand ablesen.

Vertragsabschluss Garantiezins
Vor Juli 1986 3 %
Ab Juli 1986 3,5 %
Ab Juli 1994 4 %
Ab Juli 2000 3,25 %
Ab Januar 2004 2,75 %
Ab Januar 2007 2,25 %
Ab Januar 2012 1,75 %
Ab Januar 2015 1,25 %

Der Garantiezins gilt jedoch nur für das Sparkapital (Beitrag – Kosten)
und nicht für die gesamte Summe, welche eingezahlt wird.
Beispiel
Werden monatlich 100 Euro eingezahlt, und die Kostenquote
beträgt 20 Prozent, so werden nur 80 Euro mit dem Garantiezins
verzinst. Bei einem Zinssatz von 1,25 Prozent ergibt dies
einen Prozentsatz auf 100 Euro gerechnet von nur 1 Prozent.
Das aber viel wichtigere Argument für eine Kapitallebensversicherung
war die bis 2004 geltende Steuerfreiheit (siehe Unterpunkt
»Steuerliche Behandlung«). Als dieses Privileg nicht
mehr gegeben war, verlor die Kapitallebensversicherung, wie
erwähnt, enorm an Attraktivität. Mittlerweile gibt es lukrativere
Produkte am Markt, um sein Geld gewinnbringend anzulegen.
Nicht unterschätzen sollte man aber die Abdeckung
des Todesfalles. Dieses Risiko sollten viele Personengruppen
bei ihrer Entscheidung für eine Lebensversicherung unbedingt
berücksichtigen.

Investition
Es scheint sinnvoll, das Todesfallrisiko und die Investition zu trennen
und in zwei verschiedene Anlageprodukte zu investieren.
Zum einen in eine reine private Rentenversicherung und zum
anderen in eine reine Lebensversicherung (siehe Investition bei
diesen beiden Anlageklassen). Bei einer solchen Vorgehensweise
ist Flexibilität gegeben und es können Versicherungsbereiche gekündigt
werden, welche eventuell nicht mehr benötigt werden.

Steuerliche Behandlung
Für Altverträge (Abschluss des Vertrages bis 31. Dezember 2004)
gilt: Kapitalauszahlungen sind steuerfrei, wenn sie folgende Kriterien
erfüllen: Die Beitragsdauer der vereinbarten Zahlungen
muss mindestens 5 Jahre, die Laufzeit muss mindestens 12 Jahre
betragen.
Verträge, die ab dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden,
werden steuerlich wie folgt behandelt: Beträgt die Laufzeit
mindestens 12 Jahre und erfolgt die Auszahlung nach dem
60. Lebensjahr, so werden die Kapitalerträge als Einkünfte aus
Kapitalvermögen nur zur Hälfte besteuert.
Werden diese beiden Aspekte nicht beachtet, und es kommt
zu einer früheren Auszahlung, so werden die Kapitalerträge voll
versteuert. In diesem Fall werden die eingezahlten Beiträge von
der Auszahlungssumme abgezogen. Die Differenz unterliegt der
Einkommensteuer.
Tritt das Versicherungsrisiko des Todesfalles ein, so ist die Kapitallebensversicherung
weiterhin steuerfrei.